Ärger und Wut

Vom Umgang mit Wut und Ärger im Alltag

Ärger, Wut und Zorn sind im Zeitalter des positiven Denkens und der emotionalen Intelligenz wenig beachtete Gefühle. Die sozialen Normen und die Entfremdung in unserer Gesellschaft machen es außerdem zunehmend schwerer Gefühle adäquat ausdrücken.

Die Entwicklung unserer Gefühle jedoch, die körperlichen Prozesse, wie Hormonausschüttungen und ihre Folgen, hinken der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Unser Körper reagiert „steinzeitlich“ während die gesellschaftlichen Vorgaben und Stressoren die des Industriezeitalters sind und unseren natürlichen Körperreaktionen widersprechen.

Die Möglichkeit zu Flucht oder Angriff sind im sozialen Alltag selten gegeben, während unser Nervensystem jedoch genau die dafür alarmierenden Stresshormone freisetzt.

Der Abbau dieser Substanzen wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol muss in der Regel außerhalb der sozialen Situation erfolgen, dies geht allerdings nur über Bewegung. Doch viele sinken nach einem stressigen Tag lieber auf die Couch, als in die Laufschuhe zu steigen. - Dauerhafte Ausschüttung von Stresshormonen ohne Abbau führt dann zu teilweise schweren gesundheitlichen Schäden.

Manchmal werden Wut und Ärger zum Selbstläufer,  man kann oder will ihnen nichts mehr entgegensetzen, und lässt seinen Impulsen freien Lauf.

Was ist mit denen die ihre Impulse nicht mehr kontrollieren können und sich immer wieder in bedenkliche Situationen bringen, die ihr und das Leben anderer immer mehr zerstören? Die Reue danach ist groß, man nimmt sich vor das nächste Mal ruhig zu bleiben, die Sache ganz anders anzugehen, meist scheitert es jedoch daran, dass man nicht weiß wie.

Wenn Sie schnell dabei sind bei den täglichen Frustrationen andere zu beschuldigen und sich zu ärgern, das Warten an der Kasse, die Preiserhöhung, die lärmenden Teenager im Bus, wenn sich dieser Ärger in Wut steigert und Sie den Drang verspüren ihm mehr oder weniger kontrolliert Luft zu verschaffen, dann kann ihre Wut zum schleichenden Gift werden, dass sowohl ihre Gesundheit als auch ihre Beziehungen gefährdet.

Wut kann man definieren als Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen und Handlungen die durch einen wahrgenommen Angriff auf die eigene Person aktiviert werden. Zugrunde liegende Gefühle sind meist Angst, Scham oder Ärger.

Wut kann eine sehr gesunde und wichtige Reaktion sein, um Grenzen zu setzen wenn man unberechtigt verbal angegriffen wird, um sich körperlich zu verteidigen wenn es wirklich nötig ist. Wenn Wut jedoch häufiger auftaucht durch im Grunde weniger wichtige Anlässe und chronisch falsch gehandhabt wird, dann kann sie der gerade Weg zur Feindseligkeit werden und in verbaler Aggression oder sogar körperlicher Gewalt enden.

Feindselige Menschen, provozieren mehr negative Ereignisse als andere, haben weniger soziale Unterstützung und eine schlechtere Gesundheit. Ein echter Teufelskreis.

Studien belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen wütendem und feindseligem Verhalten in Partnerschaften, wie Kritik, Anschuldigungen, Ablehnen von Verantwortung, Ausweichen und Unterbrechungen in Unterhaltungen, und einem erhöhten Blutdruck, erhöhter Herzfrequenz und einer Schwächung des Immunsystems gibt. Die Auswirkungen auf die Beziehung an sich sind logisch folgend.

Wie jedes andere Gefühl lässt sich Wut als Folge notwendiger kognitiver Prozesse erklären:

Ein Auslöser – der Vordermann wechselt die Spur ohne zu blinken- führt zu Gedanken „dieser Idiot, hat wohl keinen Blinker, schneidet mich einfach...“ – Bewertungen „er macht das mit Absicht“, diese drei Komponenten sind so eng miteinander verwoben, dass sie von uns meist nicht bewusst wahrgenommen werden, der Wendepunkt der uns zum Gefühl Wut bringt bleibt uns sehr häufig verborgen. Unserer bewussten Wahrnehmung bleibt die Verknüpfung Auslöser-Gedanken/Bewertungen -Emotion meist verschlossen. Wenn wir die Situation beschreiben würden wäre es „So ein Idiot hat mich einfach geschnitten, ich hab vor Zorn gekocht.“. In Wirklichkeit reagieren wir auf unsere Gedanken zu dem Ereignis und nicht auf das Ereignis selbst.

Dies ist einer der Ansatzpunkte des so genannten „Anger-Managements“ – möchten Sie mehr darüber erfahren oder über Ihren Ärger sprechen kontaktieren Sie unsere Diplom-PsychologInnen!

"Aus bitterster Erfahrung zog ich diese eine und höchste Lehre: Man muß den Zorn in sich aufstauen, und so wie gestaute Wärme in Energie umgesetzt werden kann, so kann unser gestauter Zorn in eine Kraft umgesetzt werden, die die Welt zu bewegen vermag."
Mahatma Gandhi (1869-1948), ind. Rechtsanwalt, Führer d. ind. Befreiungsbewegung
   

Autorin: Dipl.-Psych. Heike Kaiser-Kehl
Notfallpsychologin
Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologen  
Heilpraktiker (Psychotherapie)

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Letzte Änderung: 06.05.2017