Bulimia nervosa

Das Hauptmerkmal der Bulimia nervosa sind "Fressattacken" und unangemessene, einer Gewichtszunahme gegensteuernde Maßnahmen. "Fressattacken" sind definiert als Verzehr einer Nahrungsmenge, die erheblich größer ist als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren Zeitraum zu sich nehmen würden. Die Art der Nahrung kann unterschiedlich sein, üblicherweise handelt es sich jedoch um hochkalorische Nahrungsmittel wie etwa Eis und Kuchen. Die "Fressanfälle" müssen im Durchschnitt drei Monate lang, mindestens zweimal pro Woche vorgekommen sein, um die Diagnose zu erfüllen.

Die "Fressattacken" sowie das sich anschließende Kompensationsverhalten finden meist heimlich statt, da sich die Betroffenen dafür schämen. Der Nahrungskonsum findet solange statt, bis sich ein unangenehmes und eventuell auch schmerzhaftes Völlegefühl einstellt. Ausgelöst werden die "Anfälle" häufig durch dysphorische Stimmungszustände, zwischenmenschliche Konfliktsituationen, ein intensives Hungergefühl nach diätischer Einschränkung. Durch das Essverhalten kann sich die Stimmung kurzfristig heben, danach kommt es jedoch häufig zu depressiven Stimmungslagen und heftiger Selbstkritik. Betroffene berichten über einen Verlust der Kontrolle den Attacken zu widerstehen oder sie zu beenden. Um die Folgen der "Fressattacken" zu reduzieren (hier besonders die Angst vor Gewichtszunahme) werden verschiedene gegensteuernde Verhaltensweisen angewendet. 80-90% der Betroffenen praktizieren selbstinduziertes Erbrechen. Die unmittelbaren Konsequenzen bestehen in einer sofortigen Erleichterung des körperlichen Unbehagens sowie einer unmittelbaren Reduktion der Angst vor Gewichtszunahme. Etwa 33% der Betroffenen missbraucht Laxantien im Anschluss einer Attacke. Das Einlegen von "Hungertagen" und übermäßige körperliche Betätigung sind ebenfalls Kompensationsversuche.

Das Gewicht der Personen mit Bulimia nervosa liegt zumeist im normalen Bereich. Im Zusammenhang mit der Essstörung treten vermehrt depressive Symptome auf. Auch Angstsymptome oder Angststörungen können häufiger auftreten. Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit, besonders von Alkohol und Stimulantien finden sich bei etwa 33% der Betroffenen. Bei 33-50% finden sich Persönlichkeitszüge, die die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllen. Ca. 90% der Betroffenen sind weiblich. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Männer mit Bulimia nervosa häufiger vor Beginn der Störung an Adipositas (Fettsucht) gelitten haben.

Therapie

Als wichtiges allgemeines Prinzip gilt, dass die Interventionen auf zwei Schienen erfolgen müssen. Kurzfristig ist eine möglichst rasche Modifikation des Essverhaltens notwendig, um einen schnelle Rückbildung der physiologischen Dysfunktionen zu erreichen. Langfristig müssen die Betroffenen in die Lage versetzt werden, selbst die psychologischen und psychosozialen Bedingungen zu erkennen, die im Zusammenhang mit dem gestörten Essverhalten stehen. Da das gestörte Essverhalten häufig in belastenden Situationen auftritt, für die die Betroffenen keine adäquaten Bewältigungsstrategien zur Verfügung haben, konzentriert sich ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches Vorgehen auf die Vermittlung eines plausiblen Erklärungsmodells, Training sozialer Kompetenzen sowie auf das Trainieren von angemessenen Kommunikations- und Problemlösefertigkeiten.

Autor: Dipl.-Psych. Mathias Eifler
Approbation als Psychologischer Psychotherapeut

Quelle: DSM-IV

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Letzte Änderung: 31.05.2012