Prüfungsangst

Prüfungsangst ist ein weit verbreitetes Phänomen, da jeder Mensch im Laufe seines Lebens sich Prüfungen unterzieht, seien es Klassenarbeiten, Schulabschlussprüfungen, Zwischenprüfungen, Führerscheinprüfungen, Eignungstests, Prüfungen in Form von Vorstellungs- und Bewerbungsgesprächen usw.. Prüfungsangst kann als "isoliertes" Phänomen vorhanden sein oder im Rahmen einer anderen Störung, wie etwa der Sozialen Phobie auftreten.

Bei Vorliegen von Prüfungsangst können prinzipiell drei Aspekte unterschieden werden: physiologische Ebene, emotionale und kognitive Ebene. Worin unterscheidet sich nun "normale" von "unangemessener" Prüfungsangst? Auf der physiologischen sowie der emotionalen Ebene scheinen Intensitätsunterschiede vorzuliegen (Ausmaß erlebter Angst, Höhe der Nervosität mit entsprechenden körperlichen Reaktionen (Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, erhöhtes Erregungsniveau, Blutdruck usw.). Auf der kognitiven Ebene (Erwartungen, Vorstellungsbilder, Einstellungen) scheinen dagegen eher qualitative Unterschiede zu bestehen. Betroffene mit hoher Prüfungsangst berichten von verzerrten, überzogenen und katastrophisierenden Vorstellungen und Gedanken: "Ich schaff' das nicht", "Ich werde bestimmt durchfallen", "Wenn ich die Prüfung nicht bestehe ist das schrecklich", "Wenn ich durchfalle, bin ich ein Versager", "alle anderen sind besser als ich", "alle Anderen werden denken, dass ich ein Looser bin", "ich werde bestimmt kein Wort rauskriegen….rotwerden….schwitzen…..zittern…..Wie peinlich!!", "Ich muss es schaffen"

Diese Art des Denkens ist Bestandteil eines Teufelskreises: Die Angstgedanken führen zu entsprechenden körperlichen Symptomen, damit einhergehend steigt die Angst, die Angst betätigt den subjektiven Wahrheitsgehalt der Befürchtungen, die Bedrohung wird größer, Angstgedanken "setzen sich fest" …

Ein zentraler Aspekt bei Prüfungsangst scheint zu sein, dass die betroffene Person durch (unzulässige) Verallgemeinerungen, Katastrophisierungen, Bewertungsverzerrungen die Prüfungssituation so strukturiert, dass das eigene Selbstwertgefühl vom Ergebnis abhängt. Wenn ich beispielsweise denke, dass ich ein totaler Versager bin, wenn ich eine konkrete Prüfung nicht bestehe, dann hängt in der Tat sehr viel vom Ausgang der Prüfung für mich ab. (nebenbei bemerkt: Wenn ich die Führerscheinprüfung nicht bestehe, macht mich das zu einem schlechteren Fußballspieler ?)

Was wäre Ziel einer Veränderung? Nach der Yerkes-Dodson-Regel ist die Leistungsfähigkeit bei mittlerem Erregungsniveau am stärksten ausgeprägt, während bei unterdurchschnittlicher sowie bei übermäßiger Erregung die Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. "Coolness" wäre demnach nicht wünschenswert und realistischerweise auch durch therapeutische Maßnahmen wohl nicht zu erreichen.

Ein kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz zur Reduktion von übermäßiger Prüfungsangst besteht in der Veränderung der Bewertungsperspektive. Hierbei werden Interpretationen, Schlussfolgerungen, Voraussagen auf ihren Realitätsbezug hin kritisch hinterfragt. Ziel ist der Aufbau einer angemessenen Sichtweise und einer realistischen Bewertungsperspektive. Durch Rollenspiele, Vorstellungsübungen und Verhaltenstrainings werden "veränderte Sichtweisen" praktisch eingeübt und stabilisiert.

Autor: Dipl.-Psych. Mathias Eifler
Approbation als Psychologischer Psychotherapeut

Quelle:DSM-IV

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Letzte Änderung: 10.02.2011