Selbstwirksamkeit - Wie wirken Hobbys auf unsere Psyche?

 

Warum uns Hobbys guttun und unser Selbstwirksamkeitserleben stärken

Die meisten von uns haben Hobbys, denen sie regelmäßig in ihrer Freizeit nachgehen.

Die einen machen Sport, die anderen spielen Schach, kochen gerne, Stricken, oder musizieren, wieder andere engagieren sich ehrenamtlich. All diese Freizeitbeschäftigungen haben gemeinsam, dass wir sie freiwillig machen, weil sie uns Freude bereiten.

Diese Motivation, etwas aus dem Spaß an der Sache zu tun und nicht, um dafür eine Belohnung zu bekommen oder ein Ziel zu erreichen, wird in der Psychologie als intrinsische Motivation bezeichnet (z. B. Deci & Ryan, 1985). Dabei ist meist das Ausführen des Hobbys an sich schon die Belohnung, wie der Spaß am Fußball spielen, am Häkeln, Schwimmen oder ehrenamtlich Menschen zu unterstützen.

 

 

Life in Circles Painting Royce Rozendaal Heike Kaiser-Kehl
      Painting: Royce Rozendaal

 

In anderen Lebensbereichen ist das oft anders. Wir haben einen Beruf, um Geld zu verdienen, in der Schule sind wir fleißig, um eine gute Note zu bekommen. In diesen Fällen sind wir mehr extrinsisch motiviert, wir tun etwas, um dafür belohnt zu werden, die Freude an der Sache ist dabei selten von Bedeutung. Was dazu führt, dass wir extrinsisch motivierte Tätigkeiten schnell als anstrengend und kraftraubend erleben.

Dinge hingegen die wir mit einer intrinsischen Motivation machen, fallen uns leicht, verbessern unser Wohlbefinden, geben uns die Möglichkeit vom Alltagsstress zu entspannen und das Leben zu genießen. Aber das ist nicht der einzige Grund warum uns Hobbys guttun, sondern sie stärken auch unser Selbstwirksamkeitserleben. Was ist damit gemeint?

Selbstwirksamkeit (self-efficacy) ist ein psychologisches Konzept, das in den 70er Jahren vom kanadischen Psychologen Albert Bandura (z. B. Bandura, 1977) entwickelt wurde. Es beschreibt die Selbsteinschätzung einer Person, eine Tätigkeit oder Situation bewältigen zu können. Dabei ist nicht unbedingt wichtig, ob ein Ziel damit erreicht wird, sondern der Fokus liegt auf der Einschätzung, dass die eigenen Kompetenzen gut genug sind, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.

Das bedeutet, dass Selbstwirksamkeit eine Form der Selbstwahrnehmung ist, die sich im Laufe des Lebens stetig verändern kann. Wir unterscheiden uns darin, ob wir generell, also situations- und tätigkeitsunabhängig, ein hohes Maß an Selbstwirksamkeit haben, oder nur in bestimmten Situationen.

Ein Beispiel für Selbstwirksamkeitserleben in einer konkreten Situation:

Inge hat die Erfahrung gemacht „ich kann Fußball spielen“, daher wird sie sehr wahrscheinlich an das nächste Fußballturnier mit der Erwartung herangehen „das traue ich mir zu, ich werde gut spielen““ - diese positive Erwartungshaltung wird in der Psychologie als Selbstwirksamkeitserwartung (perceived self-efficacy) bezeichnet.

Das Beispiel von Inge lässt sich auf alle Lebensbereiche übertragen und zeigt, warum Selbstwirksamkeitserleben wichtig ist. Denn Menschen mit ausgeprägter Selbstwirksamkeitserwartung wählen oft herausforderndere Ziele, sind selbstbewusster, zeigen mehr Ausdauer und bessere Leistungen, haben weniger Angst zu versagen und bewältigen Stress und Enttäuschungen häufig besser, als Personen mit geringer Selbstwirksamkeit. Daher lohnt es sich sein Selbstwirksamkeitserleben zu stärken. Bandura zufolge, passiert dies vor allem durch Erfolgserlebnisse.

Hobbys stellen eine gute Möglichkeit dar, schnell ein positives Erlebnis zu haben, sich kompetent zu fühlen, die Erfahrung zu machen eine Tätigkeit erfolgreich ausführen zu können und dabei oft auch sozial eingebunden zu sein. All das stärkt unsere allgemeine Selbsteinschätzung die Herausforderungen des Lebens bewältigen zu können. Dadurch können Hobbys auch ein geringes, oder gar fehlendes Selbstwirksamkeitserleben in anderen Lebensbereichen kompensieren, sodass wir uns durch die Selbstwirksamkeitserfahrung in der Freizeit, auch in anderen Lebenssituationen mehr zutrauen und Selbstsicherheit gewinnen.

Autorin: cand.psych. Johanna Gau

Literatur

Bandura, A. (1977). Self-efficacy: Toward a unifying theory of behavioral change. Psychological Review, 84, 191-215.

Deci, E. L. & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum Press.

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Letzte Änderung: 24.05.2017