Systemische Therapie


Was ist Systemische Therapie?

Systemische Therapie hat ihre Wurzeln in der systemischen Familientherapie. Es handelt sich dabei um eine ressourcen- und lösungsorientierte Beratungsform. Sie basiert auf der Grundlage des systemischen Denkens und Handelns.

SYSTEMISCHES DENKEN UND HANDELN

Was ist ein System?

Wenn Sie sich einen Sandhaufen und eine Blume vorstellen - würden Sie sagen, beide sind ein System?

Ein Sandhaufen ist kein System. Sie können eine Handvoll davon wegnehmen oder dazutun – es bleibt ein Sandhaufen.

Eine Blume dagegen ist ein System. Sie besteht aus mehreren verschiedenen Teilen und die einzelnen Teile sind in einem bestimmten Aufbau miteinander vernetzt. Ein System verhält sich anders als seine Teile. Es wird zu einem neuen Ganzen und ist dadurch mehr als die Summe der einzelnen Teile oder Sub-Systeme.

Ist der Mensch ein System?

Der Mensch besteht aus mehreren Systemen: z.B. einem Herz-Kreislauf-System, einem Atemsystem, einem Verdauungssystem sowie einem Nervensystem usw. Diese so genannten Sub-Systeme verhalten sich jeweils nach ihrer eigenen Art und bilden zusammen ein völlig anderes System, das sich als solches wiederum anders verhält.

Ein Mensch handelt unterschiedlich, je nachdem zu welchen weiteren Systemen er gehört: als Kind seiner Eltern, als Schwester eines Bruders, als Arbeitnehmerin im Betrieb, als Tennisspieler im Verein, etc. Das Verhalten eines Menschen hängt zu großen Anteilen davon ab, in welchem sozialen System er sich gerade befindet. Sein Handeln wird darüber hinaus von seinen Vorstellungen bezüglich der Erwartungen, die die Mitglieder des jeweiligen Systems an ihn haben, beeinflusst.

Ein System existiert nicht für sich alleine. Jedes lebendige Wesen, bzw. jedes soziale oder
psychische System ist vernetzt mit anderen Systemen und befindet sich dabei ständig im Austausch und im Wandel. Dabei wirkt ein System nicht nur auf seine Umwelten, sondern auch direkt oder indirekt auf sich selbst zurück. Innerhalb von Kommunikationsprozessen geschieht dies beispielsweise über Feedback.

Was kennzeichnet systemisches Denken?


Systemisches Denken ist die Fähigkeit, alle Akteure und Handlungen im Rahmen eines komplexen Systems zu sehen, das aus verschiedenen, miteinander verknüpften Variablen, die wechselseitig voneinander abhängig sind, besteht. Dies beinhaltet die Fähigkeit, Handlungen nicht nur im Rahmen einfacher Ursache-Wirkung-Zusammenhänge zu bewerten, sondern auch eine gewisse Eigendynamik des Systems sowie die vielfältigen wechselseitigen Abhängigkeiten und Wirkungen so weit wie möglich zu berücksichtigen.

Auf einer konkreteren Ebene, beispielsweise im Berufsleben, meint systemisches Denken, nicht nur kurzfristig und im engeren Umfeld zu denken, sondern langfristige Konsequenzen und Auswirkungen auf andere beteiligte Personen zu berücksichtigen.

Wie findet systemisches Denken Anwendung in der Praxis?

Angewandt auf Coaching von einzelnen Personen, Teams und Organisationen sowie auf Therapie und Beratung von Individuen, Paaren und Familien beschäftigt sich eine systemisch arbeitende Therapeutin oder Beraterin vor dem Hintergrund systemischer Theorien und Methoden mit Interaktions- und Beziehungsmustern sowie mit individuellen oder kollektiven Sichtweisen und Bewertungen, die das Denken, Fühlen und Handeln von Menschen bestimmen.

Für die systemische Arbeit ist dabei von Interesse, wie Systeme aufgebaut sind, nach welchen Regeln sie sich organisieren und verhalten, bzw. welche Wechselwirkungsprozesse in ihnen ablaufen.

Beim Coaching sowie in der systemischen Therapie und Beratung wird Abstand genommen von einem herkömmlichen Pathologie- und Problemdenken, das sich oft stark auf „Störungen“ des Individuums bezieht. Vielmehr liegt der Schwerpunkt darauf, den Zusammenhang, die Wechselwirkungen und die Muster von problematischen Weisen des Denkens, Fühlens und Handelns herauszuarbeiten. Probleme werden als Interaktionsphänomene des Menschen mit anderen oder auch mit sich selbst aufgefasst, die nicht einfach „gestört“ sind, sondern oft einen Sinn haben, den es zu würdigen und nicht zu pathologisieren gilt. Letztendlich stehen Wertschätzung und eine fragende Erkundung der subjektiven Wirklichkeit der Menschen im Mittelpunkt des therapeutischen, bzw. beraterischen Handelns. Sie sind die Grundlage dafür, dass die Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten der Menschen erweitert und ihre vorhandenen Ressourcen entdeckt, bzw. genutzt werden können.

Wann ist Systemische Therapie oder Beratung nützlich?

Probleme, bzw. belastende Situationen oder Krisen, tauchen im Verlauf eines jeden Menschenlebens auf. Wenn Menschen sich in einer aktuellen Problemsituation oder Krise befinden, oder auch schon länger psychisch bedingte Probleme haben, kann das dazu führen, dass sie das Gefühl haben, sich im Kreis zu drehen und alleine keinen Schritt voranzukommen. Sie haben meistens schon einiges versucht, um ihre Probleme anzugehen oder ihre Situation zu verändern, sind jedoch mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Auch die Bezugspersonen konnten oftmals nicht ausreichend weiterhelfen, u.a. weil sie gefühlsmäßig eingebunden oder manchmal überfordert sind. Hier ist es hilfreich, eine dritte Person einzubeziehen, die einen unvoreingenommenen Blick auf  die Sachlage wirft und durch professionelle Unterstützung dazu verhilft, eine Veränderung von Sichtweisen, Gedanken, Gefühlen, Verhaltensmustern oder vielleicht sogar von Lebensplänen vorzunehmen.

Mögliche Anlässe für Systemische Therapie oder Beratung

Die Anlässe im Rahmen von Systemischer Therapie oder Beratung sind individuell und vielfältig. Hier eine beispielhafte Auflistung:

  • Wunsch nach Veränderung, Weiterentwicklung
  • Beziehungsproblematiken in hetero- oder homosexuellen Beziehungen
  • Depressive Verstimmungen
  • Essstörungen
  • Ängste
  • Gefühle von Einsamkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Trennung, Scheidung
  • Umgang mit einer Erkrankung
  • Sinnfragen ( Lebenssinn, weitere Lebensplanung, Lebensziele )
  • Tod einer nahe stehenden Person
  • Arbeitsplatzverlust
  • Unerfüllter Wunsch nach einer Partnerschaft
  • Konfliktsituationen
  • Selbstwertprobleme
  • Probleme mit der Familie (aktuelle Familie oder Herkunftsfamilie)
  • Mangelnde Lebensfreude
  • Länger andauernde Krisen
  • Übergänge in neue Lebensabschnitte
  • etc.


Wie lange dauert Systemische Therapie oder Beratung?

Die Dauer einer Systemischen Therapie oder Beratung richtet sich nach den individuellen Fragestellungen und Wünschen. Je nach Problemlage liegt die durchschnittliche Dauer bei ca. 10-15 Sitzungen. Manchmal ergibt sich auch der Wunsch nach einer längeren therapeutischen Begleitung. Oft sind auch schon 3-5 Sitzungen hilfreich, um eine andere Perspektive zu entwickeln.

Die Kosten für Systemische Therapie und Beratung werden derzeit noch nicht von den deutschen Krankenkassen übernommen. Bei Privatversicherten mit Zusatzversicherung bedarf es der individuellen Abklärung.

Autorin:Dipl.-Psych. Elke Lechthaler
Heilpraktikerin (Psychotherapie)

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Letzte Änderung: 10.02.2011