Zwang

 

Zwänge können das Leben quälend einengen.

 

Zwänge können das leben einengen

 

Es wird unterschieden zwischen Zwangsgedanken und Zwangshandlungen.

Zwangsgedanken:

Zwangsgedanken sind Ideen, Gedanken, Impulse und Vorstellungen, die wiederholt auftreten und von den Betroffenen als aufdringlich, überzogen oder unangemessen wahrgenommen werden. Mit dem Auftreten der Zwangsgedanken ist große Angst oder Unwohlsein verbunden. Der Betroffene sieht sich nicht in der Lage, die Zwangsgedanken zu kontrollieren, erlebt sie als "fremd", erkennt jedoch, dass die Gedanken nicht von außen eingeben wurden. Betroffene versuchen die Gedanken zu ignorieren, zu unterdrücken, sich abzulenken oder die mit den Gedanken einhergehende Angst mit anderen Gedanken oder Handlungen (Zwangshandlungen) zu reduzieren.

Beispiel: Wenn jemand beim Verlassen der Wohnung Zweifel daran hat, dass der Ofen ausgestellt ist, neutralisiert der Betroffene die damit verbundenen Angst, indem er immer wieder (manchmal mehrere stunden lang) prüft, ob der Ofen tatsächlich aus ist. Die häufigsten Zwangsgedanken sind wiederholte Gedanken, sich zu kontaminieren, wiederkehrende Zweifel, das Bedürfnis, Dinge in einer ganz bestimmten Ordnung zu haben, aggressive Impulse und situationsunangepasste sexuelle Vorstellungen.

Zwangshandlungen:

Meistens entwickeln sich Zwangshandlungen als Reaktion auf Zwangsgedanken. Sie stellen den Versuch dar, die mit den Zwangsgedanken verbundenen Emotionen (Angst, Unwohlsein, Bedrohtsein) zu reduzieren. Zwangshandlungen können tatsächlich beobachtbares Verhalten sein (Händewaschen, Ordnen, Prüfen) oder sich als geistige Handlungen (Zählen, Beten) darstellen. Zwangshandlungen sind deutlich übertrieben oder stehen in keinem sinnvollen Zusammenhang zu dem, was sie zu verhindern suchen. Beispiel: Damit meinem Partner nichts passiert, ist es absolut notwendig, dass ich darauf achte, auf dem Gehweg nicht auf Ritzen im Bordstein zu treten. Falls mir das doch passiert, muss ich zurück gehen und nocheinmal von vorne anfangen. Manchmal führen Betroffene Handlungen nach sehr komplizierten, selbsterstellten Regeln aus, ohne jedoch angeben zu können, weshalb sie das tun. Zwangshandlungen sind oft sehr zeitaufwendig und führen oft zu erheblichen sozialen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Verabredungen können oft nicht eingehalten werden, "Tennisarm" nach mehrstündigem öffnen und schließen der Schranktür, Hautreizungen und Entzündungen durch exzessives Waschen). Betroffene versuchen immer wieder den Zwangshandlungen zu widerstehen. Hierbei nimmt die Angst oder Anspannung sprunghaft zu. Durch Ausführen der Zwangshandlung wird diese Angst und Anspannung dann deutlich reduziert. ("Sich dem Zwang ergeben")

Was unterscheidet eine normale Handlung von einer Zwangshandlung?

Beim Verlassen der Wohnung fragen Sie sich auf der Treppe, ob Sie auch die Kaffeemaschine ausgeschaltet haben. Falls Sie unsicher sind gehen sie zurück, sehen, dass das Licht am Schalter der Maschine nicht brennt und Verlassen dann beruhigt die Wohnung. Zwanghaft ist das Kontrollieren dann, wenn ein Blick auf die Leuchtanzeige nicht genügt, um beruhigt die Wohnung zu verlassen. Obwohl das Licht nicht brennt und die Maschine folglich ausgeschaltet ist, wird wiederholt der Schalter betätigt. Solange bis die körperliche Anspannung reduziert ist. Der Unterschied zwischen zwanghaftem und nicht zwanghaften Verhalten besteht in unterschiedlichen Bewertungskriterien. Im Normalfall orientiere ich mich an einem "logischen" Kriterium (Licht aus = Maschine aus). Die Zwangshandlung folgt im Gegensatz dazu einem "emotionalen" Kriterium (Anspannung/Bedrohtsein/Angst).

Behandlung von Zwangsverhalten

Lange galten Zwangsstörungen als schwer zu behandeln. Inzwischen erzielt man vor allem gute Erfolge mit verhaltenstherapeutischen Mitteln, die gelegentlich mit Medikamenten unterstützt werden. Die für die Therapie gewählten Methoden bei Zwangsverhalten (Zwangshandlungen) sind Verfahren der Konfrontation und Reaktionsverhinderung. Diese sollen den Zirkel von Angst und Vermeidung durchbrechen: Der Patient wird mit der Situation, welche die Zwangsrituale auslöst, konfrontiert. In Absprache und mit der Zustimmung des Patienten wird verhindert, dass das Zwangsverhalten ausgeführt werden kann. Zunächst führt das zu einem Anstieg, aber dann zu einem Nachlassen der Angst. Außerdem soll es zu einem Anstieg des subjektiven Erlebens von Kompetenz im Umgang mit dem Problem führen.

Autor: Dipl.-Psych. Mathias Eifler
Approbation als Psychologischer Psychotherapeut

Quelle:DSM-VI

Bildquelle: Patrick Hendry / Unsplash

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Letzte Änderung: 14.06.2017